Stromverbrauch im Blick behalten

So vieles ist neu, wenn man ins fertige Eigenheim einzieht. Und für vieles muss man erst ein Gefühl entwickeln. Zum Beispiel für den Stromverbrauch vom Haus und der Wärmepumpe.

Tag für Tag läuft der Stromzähler, aber nicht immer ist klar, wohin eigentlich der meiste Strom im neuen Haus fließt und damit die eigene Rechnung erhöht.

Dabei bekommt man das beste Messgerät mittlerweile frei Haus und kostenlos – es sagt einem nur keiner.

Die größten Stromverbraucher ganz leicht finden – frei Haus

EDL 21 Stromverbrauch überwachen, intelligente Stromzähler auslesen

EDL21 Stromzähler (Modell vom Hersteller EMH): die Zusatzfunktionen sind ab Werk versteckt

Denn seit dem 4. August 2011 müssen Stromnetzbetreiber in Neubauten und Häusern mit größeren elektrischen Erneuerungen einen elektronischen Stromzähler einbauen, der die EDL21 Norm erfüllt.

Diese digitalen Zähler können eine ganze Menge mehr, als die alten Ferraris-Zähler mit der großen rotierenden Zählerscheibe. So kann man sie über eine elektronische Schnittstelle auslesen und am PC den Verbrauch auswerten (später dazu mal mehr).

Wie war’s?

Aber auch ganz ohne PC lassen sich über versteckte Funktionen die größten Stromfresser herausfinden. Denn unterhalb der Anzeige für den Zählerstand lassen sich noch zusätzliche Auswertungen anzeigen. Zum Beispiel kann der Verbrauch der letzten 7 Tage, der letzten 30 Tage und der letzten 365 Tage angezeigt werden. Aber auch der Verbrauch seit der letzten Nullstellung lässt sich auswerten (wie beim Auto der Tageskilometerzähler).

Zähler, was läuft!?

Die hilfreichste Funktion ist jedoch die Anzeige der aktuellen Leistung, sprich: was läuft eigentlich gerade just in diesem Moment über den Zähler. Damit lässt sich auf 1 Watt genau sehen, wie hoch der Verbrauch im Moment ist. Wer nun einzelne Räume oder Verbraucher ein- oder ausschaltet, hat im Handumdrehen die größten Stromschleudern im Haushalt gefunden.

Zusatzfunktionen im Zähler freischalten

Die zweite Displayzeile des Zählers ist jedoch ab Werk versteckt. Sie kann nur über eine PIN Nummer (bei jedem Zähler eine andere) freigeschaltet werden. Offizielle Begründung: aus Datenschutzgründen.

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Nach einem Anruf bei der Hotline kam die PIN Nummer und eine Anleitung nach drei Tagen per Post

Offiziell versendet unser Netzbetreiber (westnetz, Tochter der RWE) die PIN Nummern zusammen mit dem Einbau des Zählers. Das ist wohl „vergessen“ worden, daher haben wir sie  nachträglich bei einer speziellen Hotline angefordert. Nach drei Tagen traf dann ein Umschlag mit den PIN Nummern beider Zähler und einer Anleitung ein.

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Mit einer Taschenlampe und einem PIN-Code lassen sich die Zusatzfunktionen freischalten

Eingeben lässt sich die PIN, indem der EDL21 Zähler oben rechts 2x mit einer starken Taschenlampe angeblinkt wird. Auf dem Display erscheint dann -0000-. Die Ziffern der PIN müssen dann „eingeblinkt“ werden, d.h. für eine 3 blinkt man dreimal und wartet bis die Anzeige zur nächsten Stelle wechselt, dann blinkt man die nächste Ziffer und so weiter.

Angst vor einer Fehleingabe muss man übrigens nicht haben, denn der Zähler sperrt sich auch bei Fehleingaben nie. Wer es also direkt mal ausprobieren will: es kann nichts passieren. Sollte der Zähler nicht auf das Blinken reagieren, probiert eine andere Lampe aus (LED Taschenlampen funktionieren nicht immer, blaue LED Taschenlampen wiederum sehr gut).

Stromfresser aufspüren

Das Gute an der Messung über die EDL21 Zähler ist, dass man den exakten Stromverbrauch ermitteln kann. Ausserdem lässt sich damit, anders als bei diesen Mess-Zwischensteckern aus dem Baumarkt, auch der Verbrauch von Deckenlampen, der Heizung oder der Außenbeleuchtung überprüfen, bei denen man mit einem Zwischenstecker ja nichts anfangen kann.

Wer über den Sicherungskasten dann noch die einzelnen Räume ein- oder ausschaltet, findet schnell heraus, wohin der Strom fließt.

Bei uns haben wir direkt zwei schwarze Schafe entdeckt: die Fernsehwand (TV, Bluray-, Mediaplayer, Festplatten) verbraucht 40 W (!) im Standby (ok, man ahnt es ja, aber 40W ist jenseits von gut und böse). Und in der simplen Deckenlampe vom Hauswirtschaftsraum waren noch zwei 100 W Glühbirnen eingebaut (200 W für HWR Licht!). Beim Anstreichen musste es schnell gehen und danach haben wir sie wohl vergessen.

Allerdings werden wir wohl auch nochmal ein Wort mit der Heizungsfirma sprechen müssen, denn offenbar ist die Wärmepumpe nicht richtig aufgeklemmt worden. Aber das ist noch ein ganz anderes Kapitel.

Von F

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6 Antworten zu “Stromverbrauch im Blick behalten

  1. Hallo!
    Erst einmal Glückwunsch zu diesem tollen Blog.
    Ich bin per Google auf Ihn gestoßen da ich zur Zeit versuche unsere EDL-21 Zähler (Wärmepumpe + Normalstrom) freizuschalten.
    Dein Blog hat mir da sehr weiter geholfen.

    Mich würde interessieren ob du einen HT/NT Tarif für die Wärmepumpe benutzt.
    Wenn ja wie hast du den Zähler konfiguriert?

    Benutzt du schon weitere Software / Hardware um die Zähler am PC auszuwerten?
    Ich würde das gerne tun habe aber noch keine gute Lösung (Preis/Leistung) gefunden.

    Vielen Dank!
    David Mertens

    • Hallo David,

      danke für die Glückwünsche.
      Das ist eines der Themen, über die ich eigentlich schon immer mal schreiben wollte, aber wegen der vielen kleinen und großen Sachen, die noch am Haus zu machen sind, einfach nicht dazu komme.
      Wir haben zwei Stromzähler (Normalstrom und Wärmepumpe). Jeder Zähler hat einen eigenen Vertrag und Tarif, da unser Netzbetreiber kein NT-Signal sendet, sondern mit einer Zeitschaltuhr arbeitet (wie genau haben wir hier mal beschrieben).

      Daher ist an den Zählern selbst auch nichts zu konfigurieren.

      Inzwischen bin ich bereits deutlich weiter.
      Ausgelesen werden die Zähler seit ein paar Monaten über die Infrarot-Schnittstelle mittels EDL-21 Leseköpfen, die per USB an einen MacMini Server angeschlossen sind.
      Der wird eigentlich zu anderen Zwecken benötigt, aber wo er schon mal da ist…
      Die Software zum Auslesen der Zählerdaten habe ich selbst geschrieben (ist eine .NET Anwendung, auf dem Mac läuft Windows 7).
      In der Software werden die Daten ausgewertet, gespeichert und auf die Homematic Zentrale übertragen, damit der Stromverbrauch auch in der Hausautomation angezeigt wird (ausserdem lässt er sich dann in Diagrammen per CCU Historian auswerten).

      Kommerzielle Lösungen sind schwer zu bekommen oder so teuer, dass man sich die Frage stellen muss, ob die Protokollierung in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten steht.

      Ein riesen Tipp rund um das Thema ist volkszaehler.org. Die Seite ist seehr techniklastig, aber hier erfährt man unheimlich viel zum edl-21 Protokoll, Anleitungen zum Bau eines EDL-21 Lesekopfes und es gibt auch eine Möglichkeit (wenn man nett fragt), einen fertigen Lesekopf zu bestellen.
      Der Betreiber der Seite macht dies alles in seiner Freizeit, daher verdient er den allergrößten Respekt.

      Wichtig: die Leseköpfe liefern ein recht komplexes Datentelegramm, dass erst von einer Software zerlegt werden muss. Der Zählerstand steht da nicht einfach so drin. Daher braucht es in jedem Fall eine Auslesesoftware.
      Hier konnte ich bislang nichts vernünftiges auf dem Markt finden, weshalb ich das Programm selbst geschrieben habe.
      Es läuft zwar gut, ist allerdings noch sehr „quick & dirty“ weshalb ich es niemandem zumuten würde, nichtmal für Geld.
      Aber was noch nicht ist…

      Am Ende des ganzen Frage ich mich: wenn diese Schnittstelle den Verbrauchern helfen soll, sparsam mit Energie umzugehen, warum lassen sich Zähler nur mit Tricks überreden Daten abzugeben und muss man fast schon Informatik studiert haben, um daran zu kommen?

      Hoffe, ich konnte Dir helfen, wenn Du noch Fragen zu dem Thema hast, gerne
      F

      • Hallo Wbuh123

        Ich wuerde auch gern meine Zaehlerdaten ohne den Umweg ueber edlckcockpit direkt ins homematic übertragen.
        Kannst Du deinen .net code zur verfeugung stellen. Ware super hilfreich.

        Viele Gruesse

        STEFFEN

      • Hallo Steffen,
        inzwischen bin ich von der Homematic-Zentrale CCU komplett weg. Die CCU 1 hat vor mehreren Monaten den Geist aufgegeben und dabei einen Aktor mit in den Tod gerissen (die beiden haben so viele Funksingnale ausgetauscht, dass kein Traffic mehr über Funk möglich war. Nach einem Neustart waren beide kaputt).
        Da ich mit der Oberfläche und Programmierung der CCU in der Zwischenzeit immer unzufriedener war, bin ich auf Homegear umgestiegen, dass auf einem Raspberry Pi läuft und habe als Oberfläche openHAB, das zusätzlich noch erlaubt diverse anderen Hersteller mit einzubinden.
        Und das läuft nun seit knapp 9 Monaten reibungslos.

        Das Tool für die Stromzählerwert habe ich daher geändert und auf Homegear angepasst und funktioniert mittlerweile nur noch damit, würde es aber ungern zur Verfügung stellen, da es sich um ein Quick & Dirty Tool handelt
        Viele Grüße
        F

  2. Hallo!
    Danke für deine ausführliche Antwort.
    Ich habe die selben Zähler wie du von EMH.
    Laut Datenblatt kann man diesen als Ein- bzw. Zweitarifzähler konfigurieren.
    Als erstes habe ich mir nun meine Pin bei Westnetz per Hotline bestellt.
    Wie von dir im Blog bereits erwähnt, verstehe ich auch nicht warum man heute so einen modernen Zähler bekommt, aber nicht erklärt bekommt was der alles kann und wie man die features nutzen kann.
    Alles muss man sich mühsam im Internet zusammensuchen…

    Wie erwähnt ist bei uns ebenfalls Westnetz der Grundversorger.
    Unseren Strom beziehen wir aktuell bei den Stadtwerken Lünen.
    Für die Wärmepumpe wird dieser Tarif angeboten:
    http://www.stadtwerke-luenen.de/privatkunden/strom/luenen-strom-waermepumpen/
    Allerdings wird bei uns immer der HT Tarif abgerechnet und das würde ich natürlich gerne ändern.

    Um die Zählerstände automatisch zu erfassen habe ich folgendes Produkt gefunden.
    http://shop.co-met.info/artikeldetails/kategorie/smarte-pakete/artikel/strom-sparen-mit-edl-cockpit-mit-lan.343.html

    Klingt nicht schlecht und ist auch nicht so teuer.
    Werde mich mal telefonisch beraten lassen.

    Schönes Wochenende
    David

    • Hallo David,
      wie Wärmepumpenstrom abgerechnet wird, legt der Netzbetreiber fest. Mir sind zwei Methoden bekannt: per Zeitschaltuhr (dann wird der WP Strom in den Zeiten abgeschaltet, die der Netzbetreiber in der Zeitschaltuhr programmiert hat) oder per HT/NT Signal. Dieses wird über die Stromleitung gesendet. In diesem Fall reagiert der Stromzähler auf das NT Signal und zählt bis zum nächsten Signal den Strom als Niedertarifstrom. In diesem Fall werden die Zähler durch den Netzbetreiber entsprechend konfiguriert und installiert.
      Diese Einstellung lässt sich nicht vom Anschlussnehmer ändern.

      Soweit mir bekannt, gibt es bei Westnetz für Wärmepumpen nur die Zeitschaltuhr Steuerung.
      Daher mal direkt ne Frage: wurde in Deinem Schaltschrank eine Zeitschaltuhr installiert?
      Denn dann hast Du möglicherweise einen Stromtarif gewählt, den Du nicht richtig nutzen können wirst, weil Westnetz bei Wärmepumpen HT/NT nicht unterstützt.

      Das ist nichts besonderes:
      Schau mal hier: https://www.verivox.de/heizstrom/ Nach Auswahl der Option „Wärmepumpe“ ist auszuwählen, welche Art Anschluss der Netzbetreiber vorgibt.
      Danach gibt es passende Stromtarife zum Preisvergleich.

      EDL Cockpit kenne ich, war mir jedoch für zwei Zähler zu teuer. Da ich ausserdem eine Möglichkeit gesucht habe, die Daten irgendwie in die Hausautomation von Homematic zu bekommen, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht.

      Schreib mal zurück, wie bei Dir der Strom abgerechnet wird. Wäre interessant zu erfahren, wenn es bei Westnetz doch noch eine Alternative gibt.

      Beste Grüße
      F

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